You are the true Lord of the Dance

Bild des Benutzers Asuryan

...no matter what those idiots at work say.

Die jüngsten Ereignisse nötigen mich, mal wieder die Tastatur zu
spitzen und meinen Unmut kundzutun. Warum gerät der gute Asuryan denn
diesmal so in Rage mag man sich fragen. Die Erklärung folgt sogleich
doch will ich diesmal mit einem Exempel aus dem Alltag beginnen:

Man stelle sich einen ruhigen Sonntagabend in einem mehr oder minder bekannten deutschen Tabletopforum vor. Es ist kurz vor 20.00 Uhr als ein Malanfänger unbeabsichtigt eine folgenschwere Frage stellt. Er möchte wissen, wie die Lichtscheineffekte gemalt wurden, die er auf einer Balrogminiatur im Internet entdeckt hat. Berechtigte Frage möchte man meinen. Was hat der arme Kerl nur falsch gemacht? Nun, er hätte genauso gut fünfmal »Candyman« vor einem Spiegel sagen können. Solch eine Frage lockt nämlich jene Lemuren auf den Plan, welche überzeugt sind sie wären Experten - legitimiert durch ca. 2000 Beiträge in einem Malerforum.
Es dauert auch nicht lange und der erste Depp entblödet sich nicht indem er folgendes antwortet: »Object Source Lightning«. Soso. Diese nahezu lakonische Antwort wollen wir sogleich sezieren um den Autor welcher typischerweise nicht vor Scham im Boden versunken ist vermittels analytischer Stiefel in selbigen zu verfrachten.
Primo: Eine solch kurze Antwort zu einer doch recht komplexen Frage funktioniert in keinem Forum zu keinem Thema. Rückschlüsse auf die sprachliche Kompetenz und/oder die Kinderstube des Verfassers überlasse ich dem Leser.
Secundo: Fachbegriffe – oder wie in diesem Fall Pseudofachbegriffe – sollte man sofern man sie verwendet auch richtig abschreiben. Es heisst nämlich Object Source Lighting denn mit Blitzen hat das ganze nur in Ausnahmefällen zu tun.
Tertio: Man erklärt einen Begriff nicht mit sich selbst. Nein, tut man einfach nicht.
Und schließlich Quarto: Der eigentliche Grund, warum ich mich so echauffiere: das klugscheisserische Herumposaunen englischer Begriffe oder Abkürzungen ohne entsprechende Erklärung. Ich sehe praktisch einen (oft) minderjährigen Forenuser vor meinem geistigen Auge, der händereibend darauf wartet, daß man ihn, den großen Malexperten, doch auf Knien anfleht die Technik die hinter dem Begriff steht eingehender zu erläutern. Traurigerweise folgt dann meist eine Sammlung von Bilder (mit Figuren die Andere bemalt haben) und Links (zu Artikeln die Andere geschrieben haben).
Nebenbei frage ich mich, welche protozoischen Gestalten jene - spaßeshalber nenne ich sie mal - Fachtermini ins Leben gerufen haben. Gegen Sachen wie »Wetblending« sage ich ja nichts (kann man zwar auch als Nass-in-Nass übersetzen, der Sinn wird jedoch auch so recht schnell klar). Ich wehre mich gegen Begriffe wie »Object Source Lighting« oder »Non-metallic Metal«. Schöner wird’s nur noch, wenn man sogar diese Begriffe durch die berüchtigten Tripletts wie »OSL« oder »NMM« ersetzt. Wo ist der Unterschied zwischen »Object Source Lighting« und »Source Lighting«? Kommt nicht in beiden Fällen das Licht aus einer bestimmten Richtung (und zwar im ersten Fall von einem Objekt innerhalb der Modelldimensionen und im zweiten Fall von einem Objekt ausserhalb)? Ich sehe keinen Unterschied in der resultierenden Methode. Auch das vergötterte »NMM« fügt dem ganzen nur noch die Reflexion hinzu und beruht ansonsten auf den gleichen optischen Gesetzmäßigkeiten. Viele Begriffe für denselben Quatsch.
Ich will hier natürlich nicht die Technik erklären, dazu gibt es andere Plattformen im Internet und auch ein Physikbuch Klasse 7 (Stichwort: Optik) dürfte Wunder wirken. Vor allem aber das Beherrschen der Grundtechniken wie Akzentuieren oder Schattieren bricht vielen das Genick.
Übrigens ist »Layering« auch sehr albern. Es bedeutet, daß man in mehreren Stufen weich akzentuiert. Warum zu Teufel erfindet man dafür ein neues Wort? Ein »Layer« ist einfach übersetzt eine Schicht und wenn ich nicht auf ungrundierte Figuren male habe ich immer mehrere »Layer« auf der Mini.
Das nur nebenbei.

Zurück zu unserem eigentlichen Ziel: nämlich der Sensibilisierung des Pöbels gegenüber solch allenfalls mediokrer Pinselvergewaltiger. Dies ist nämlich die Crux des ganzen: auf der einen Seite wird dahergeredet als wäre man DaVinci persönlich, in Wahrheit hat man jedoch das was man so von sich gibt weder verstanden noch vorzeigbar umgesetzt. Gerne wird hier die virtuelle Dysfunktion der Digitalkamera als Vorwand angeführt seine Machwerke nicht zeigen zu müssen. Landen dennoch Bilder im World Wide Web so ist entweder die Bildqualität oder Bildgröße daran schuld, daß verwendete Techniken unsichtbar bleiben oder man umschifft die Klippen der Kritik indem man behauptet genau den gezeigten Effekt erreicht haben zu wollen.
Wie lange man an einer Figur gesessen hat ist übrigens nur interessant wenn man das an der fertigen Figur auch sieht und ist definitiv kein Qualitätskriterium wie manch einer zu behaupten sich erdreistet.
Respekt erarbeitet man sich mit qualitativ hochwertigen und eigenen Beiträgen – nicht mit lemminghaftem herunterbeten anderswo gelesener Ergüsse. Ich lasse mich im übrigen auch lieber von Leuten kritisieren deren Figuren ich kenne – hier sehe ich meist daß sie wissen, wovon sie reden. Der Rest enttarnt sich in der Regel jedoch durch das geschriebene Wort schnell genug selbst und verliert so drastisch an Glaubwürdigkeit.

Ich begebe mich jetzt wieder an meine Figuren, die ich mit ABP (Airbrush-based priming) und WACPPP (water-and-color-powered paintbrush painting) B (bemale).